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Die Wirtschaft wächst wieder, doch der Arbeitsmarkt bleibt ein Engpass
Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten ein moderates Wachstum. Auf dem Arbeitsmarkt kommt diese Entwicklung jedoch bislang nicht an.
40.000 mehr Arbeitslose als vor einem Jahr
Die Zahl der Arbeitslosen lag im September bei 2,994 Millionen und damit erneut unter der Drei-Millionen-Grenze. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg sie jedoch um 40.000 Personen. Die Herbstbelebung fiel laut Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, „schwunglos“ aus. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,4 Prozent, blieb aber gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte höher. Gleichzeitig waren bei der Bundesagentur 660.000 freie Stellen gemeldet – 30.000 mehr als noch vor einem Jahr. Die Relevanz für Unternehmen liegt darin, dass Konjunktur und Arbeitsmarkt derzeit entkoppelt sind. Wirtschaftliches Wachstum erzeugt nicht automatisch mehr verfügbare Fachkräfte. Wer wachsen will, muss daher nicht nur auf den Arbeitsmarkt warten, sondern seine eigene Organisation leistungsfähiger machen.
Der demografische Wandel und seine Folgen
Die aktuelle Situation ist widersprüchlich. Die Konjunktur erholt sich, die Zahl der offenen Stellen steigt leicht, aber das Erwerbspersonenpotenzial geht weiter zurück. Mehr Menschen der Babyboomer-Jahrgänge gehen in Rente, während gleichzeitig weniger Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Andrea Nahles warnt deshalb: Der Fachkräftemangel werde in den nächsten fünf Jahren ein größeres Problem als die aktuelle Arbeitslosigkeit. Die Bundesagentur bewerte die Fachkräftesituation bereits jetzt als sehr kritisch. Das bedeutet für Unternehmen: Der Arbeitsmarkt bleibt trotz wirtschaftlicher Erholung knapp. In einigen Branchen gehen weiterhin Stellen verloren, während anderswo händeringend nach Fachkräften gesucht wird. Diese Ungleichzeitigkeit macht Personalplanung schwieriger. Unternehmen können nicht davon ausgehen, dass eine bessere Konjunktur automatisch zu mehr verfügbaren Bewerbungen führt. Zugleich steigt der Druck auf bestehende Teams. Wenn offene Stellen länger unbesetzt bleiben, werden Aufgaben umverteilt, Projekte verzögert und Führungskräfte stärker in das operative Geschäft eingebunden. Wachstum wird dann nicht durch fehlende Nachfrage begrenzt, sondern durch die begrenzte Fähigkeit der Organisation, Nachfrage zu bedienen. Für Geschäftsführer lautet die entscheidende Frage deshalb nicht: „Wann entspannt sich der Arbeitsmarkt?“ Sie lautet: „Wie können wir mit den Menschen, Kompetenzen und Strukturen, die wir heute haben, verlässlich wachsen?“
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
660 000
freie Stellen waren im September bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet – 30.000 mehr als im Vorjahresmonat.
0123456789.012345678901234567890123456789Mio.
Menschen waren im September arbeitslos gemeldet, 40.000 mehr als im September 2025.
Cem von RheinWest
Redaktion, RheinWest HR Solutions
Konjunktur und Arbeitsmarkt entwickeln sich derzeit unterschiedlich: Wachstum erzeugt noch keine Fachkräfte. Unternehmen müssen aus knappen Ressourcen belastbare Strukturen machen.
Dass muss jetzt passieren
Unternehmen sollten ihre Personalplanung nicht allein an der Konjunktur ausrichten. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Rollen sind für Wachstum kritisch? Welche Kompetenzen fehlen? Und wo entstehen bereits Engpässe, weil Aufgaben auf zu wenige Menschen verteilt sind? Darauf aufbauend sollten Unternehmen ihre kritischen Rollen priorisieren. Nicht jede offene Stelle ist gleich wichtig. Entscheidend ist, welche Positionen unmittelbar die Wertschöpfung, Kundenbindung oder Lieferfähigkeit sichern. Diese Rollen brauchen klare Profile, schnelle Entscheidungsprozesse und ein überzeugendes Angebot. Parallel sollten Unternehmen ihre interne Kapazität stärken. Weiterbildung, interne Versetzung und gezielte Entwicklung helfen, vorhandene Kompetenzen besser zu nutzen. Wer nur extern sucht, übersieht häufig Potenziale, die bereits im Unternehmen vorhanden sind. Drittens müssen Unternehmen ihre Arbeitgeberpositionierung prüfen. Ein attraktives Gehalt allein reicht nicht. Kandidatinnen und Kandidaten wollen wissen, welche Verantwortung sie übernehmen, wie Entwicklung funktioniert und ob das Unternehmen sein Versprechen im Alltag einlöst. Schließlich sollte die Personalplanung langfristiger gedacht werden. Der demografische Wandel entwickelt sich nicht kurzfristig um. Unternehmen, die heute Nachfolge, Wissenstransfer und Entwicklungspfade organisieren, sind besser aufgestellt, wenn der Fachkräftemangel weiter zunimmt.
Der Fachkräftemangel wird größer als die Arbeitslosigkeit
Der Fachkräftemangel werde mit Blick auf die nächsten fünf Jahre ein größeres Problem als die aktuelle Situation der Arbeitslosigkeit.
Andrea Nahles
Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit
Fazit
Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Auf dem Arbeitsmarkt kommt diese Entwicklung jedoch noch nicht an. Die Zahl der Arbeitslosen liegt bei 2,994 Millionen, während gleichzeitig 660.000 Stellen offen sind. Das zeigt: Wachstum und Arbeitsmarkt sind derzeit entkoppelt. Unternehmen können nicht darauf warten, dass die Konjunktur den Fachkräftemangel löst. Im Gegenteil: Durch den demografischen Wandel wird das Problem in den kommenden Jahren voraussichtlich größer.
Wachstum ist keine Frage der Nachfrage allein. Es ist eine Frage der organisatorischen Fähigkeit, Nachfrage zuverlässig zu bedienen. Unternehmen müssen deshalb ihre kritischen Rollen klären, interne Potenziale entwickeln und ihre Arbeitgeberpositionierung glaubwürdig machen. Wer heute Strukturen, Entwicklungspfade und Auswahlprozesse stärkt, kann auch in einem angespannten Arbeitsmarkt wachsen.
Weitere nicht im Text genannte Quellen: Osthessen Nws
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