Die aktuelle Situation ist widersprüchlich. Beschäftigte wollen KI einsetzen, experimentieren mit neuen Anwendungen und versuchen, ihre Arbeit effizienter zu erledigen. Gleichzeitig fehlen in vielen Unternehmen verbindliche Vorgaben, freigegebene Anwendungen und klare Grenzen für den Umgang mit vertraulichen Informationen.
Gerade kleinere Unternehmen stehen dabei unter Druck. In Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten nutzen 33,5 Prozent der beruflichen KI-Anwender nicht bereitgestellte Tools. Bei Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten sind es 25,5 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass kleinere Unternehmen grundsätzlich weniger technikaffin sind. Im Gegenteil: Die Untersuchung zeigt, dass Schatten-KI besonders dort verbreitet ist, wo Beschäftigte ein starkes Engagement ihres Arbeitgebers beim Aufbau von KI-Kompetenzen wahrnehmen. In diesen Unternehmen entsteht offenbar ein hoher Anwendungswille, während das offizielle Tool-Angebot noch nicht Schritt hält.
Damit wird Schatten-KI zur Bereitstellungslücke. Das Unternehmen hat die Kompetenz und den Bedarf bereits entwickelt, aber noch kein System geschaffen, das die Nutzung sicher und einheitlich ermöglicht. Die Folge können uneinheitliche Ergebnisse, unklare Verantwortlichkeiten, Datenschutzprobleme und der Verlust von Geschäftsgeheimnissen sein. Für Geschäftsführer ist entscheidend: Eigeninitiative darf nicht durch Verbote erstickt, sondern muss in eine belastbare Organisationsstruktur überführt werden.