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46 Prozent der Führungskräfte verstehen den Wandel im eigenen Unternehmen nicht.
Unternehmen verlieren ihre Mitarbeitenden in der Transformation
Motivierte Menschen, aber keine klare Richtung
Die Transformation erreicht die Beschäftigten, bevor sie in vielen Unternehmen ausreichend erklärt und organisiert ist. Eine aktuelle PwC-Befragung zeigt: 46 Prozent der Senior Executives geben an, die Gründe für Veränderungen in ihrer eigenen Rolle nicht zu verstehen. Unter den Beschäftigten insgesamt sind es 32 Prozent. Gleichzeitig nennen 29 Prozent eine zu hohe Arbeitsbelastung und 21 Prozent ineffiziente Prozesse oder übermäßige Bürokratie als zentrale Produktivitätsbremsen. Das Bild ist widersprüchlich: Die Beschäftigten sind motiviert und grundsätzlich bereit, mehr zu leisten. 72 Prozent geben an, häufig über die Anforderungen ihrer Rolle hinauszugehen. Dennoch sind nur 47 Prozent optimistisch, dass die aktuelle Transformation ihre Organisation zukunftsfähiger macht. Damit entsteht kein klassisches Motivationsproblem, sondern eine Erklärungslücke. Die Unternehmensleitung treibt Veränderungen an, kann deren Auswirkungen aber nicht immer selbst klar einordnen. Wenn diese Unsicherheit nicht in eine verständliche Richtung übersetzt wird, erreicht sie die gesamte Organisation. Neue Tools, Prozesse und Ziele wirken dann nicht wie Bestandteile einer Strategie, sondern wie zusätzliche Anforderungen im bereits überlasteten Tagesgeschäft. Für Unternehmen ist das wirtschaftlich relevant: Transformation bleibt wirkungslos, wenn Menschen zwar engagiert sind, aber nicht wissen, worauf ihre Leistung einzahlen soll.
Wenn Führung Orientierung verspricht, aber Unklarheit produziert
Viele Unternehmen stehen gleichzeitig unter Veränderungs- und Leistungsdruck. Sie müssen Prozesse digitalisieren, neue Technologien integrieren, Kosten kontrollieren und ihre Angebote weiterentwickeln. Im Alltag treffen diese Vorhaben jedoch auf bestehende Abläufe, volle Kalender und unklare Zuständigkeiten. Die PwC-Daten zeigen, wo die Umsetzung scheitert: 29 Prozent der Beschäftigten erleben eine zu hohe Arbeitsbelastung als größte Einschränkung produktiven Arbeitens. Für 21 Prozent sind ineffiziente Prozesse oder übermäßige Bürokratie ein bedeutendes Hemmnis. Weitere 20 Prozent nennen zu viele Besprechungen oder Unterbrechungen. Das Problem liegt deshalb nicht allein bei den Mitarbeitenden. Wer von Beschäftigten Veränderungsbereitschaft erwartet, muss ihnen Zeit, Prioritäten und Entscheidungsfähigkeit geben. Andernfalls wird Transformation auf die bestehende Arbeit aufgesattelt. Die Organisation soll Neues leisten, ohne Altes zu beenden. Besonders kritisch ist die fehlende Orientierung auf Führungsebene. Wenn 46 Prozent der Senior Executives die Gründe für Veränderungen nicht ausreichend verstehen, können sie diese weder überzeugend erklären noch in klare Entscheidungen übersetzen. Führungskräfte werden dann zu Übermittlern unklarer Vorgaben, anstatt ihren Teams Richtung und Sicherheit zu geben. Für Geschäftsführer lautet die zentrale Frage daher nicht: „Sind unsere Mitarbeitenden motiviert genug?“ Sie lautet: „Ist unser Unternehmen in der Lage, Motivation in eine gemeinsame Richtung zu lenken?“
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
46%
der Senior Executives verstehen die Gründe für Veränderungen in ihrer eigenen Rolle nicht ausreichend.
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der Beschäftigten nennen eine zu hohe Arbeitsbelastung als zentrale Produktivitätsbremse.
Jana Hoffmann
Redaktion, RheinWest HR Solutions
Motivation ist vorhanden. Was fehlt, ist die Übersetzung: aus Veränderungsdruck müssen klare Prioritäten, Rollen und Entscheidungen werden.
Dass muss jetzt passieren
Unternehmen müssen Transformation aus der abstrakten Strategieebene in den Arbeitsalltag übersetzen. Der erste Schritt ist eine klare Antwort auf drei Fragen: Was verändert sich? Warum ist diese Veränderung notwendig? Und was bedeutet sie konkret für die jeweiligen Rollen? Diese Antworten dürfen nicht ausschließlich von der Geschäftsführung formuliert werden. Führungskräfte auf allen Ebenen müssen in die Lage versetzt werden, den Wandel einheitlich zu erklären und mit konkreten Entscheidungen zu verbinden. Dafür brauchen sie nicht nur Kommunikationsmaterial, sondern ein belastbares Verständnis der strategischen Ziele. Im zweiten Schritt müssen Unternehmen Prioritäten sichtbar machen. Jede neue Initiative sollte mit der Frage verbunden werden, welche Aufgaben dafür entfallen, vereinfacht oder verschoben werden. Transformation darf nicht dauerhaft als Zusatzarbeit organisiert werden. Drittens sollten Unternehmen ihre größten Prozessbremsen identifizieren. Ineffiziente Abläufe, unnötige Abstimmungsschleifen und übermäßige Bürokratie reduzieren nicht nur Produktivität, sondern auch die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Ein Prozess, der das Leistungsversprechen des Unternehmens nicht unterstützt, muss vereinfacht oder beendet werden. Schließlich braucht es regelmäßige Rückkopplung. Führung sollte nicht nur erklären, was entschieden wurde, sondern prüfen, ob die Organisation die Entscheidung verstanden hat und umsetzen kann. Orientierung entsteht nicht durch eine einmalige Präsentation, sondern durch wiederholte, konsistente Führung.
Arbeitgeber müssen verstärkt für Orientierung sorgen
„Was wir hier sehen, ist eine Erklärungslücke, die sich von ganz oben durch alle Hierarchieebenen zieht. Das kann auf Dauer Vertrauen kosten. In Zeiten der Unsicherheit dürfen Arbeitgeber sich nicht zurückziehen, sondern müssen verstärkt für Orientierung sorgen, auch und besonders dann, wenn sie selbst noch nicht die Antwort auf alle Zukunftsfragen kennen.“
Petra Raspels
Chief People Officer und Mitglied der Geschäftsführung bei PwC Deutschland.
Fazit
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein klares Bild: Deutsche Beschäftigte sind nicht grundsätzlich unwillig, unmotiviert oder veränderungsfeindlich. 72 Prozent sind bereit, über die Anforderungen ihrer Rolle hinauszugehen. Gleichzeitig verstehen 46 Prozent der Senior Executives die Gründe für Veränderungen nicht ausreichend, und nur 47 Prozent der Beschäftigten sind optimistisch, dass die laufende Transformation ihre Organisation zukunftsfähiger macht. Das Problem liegt damit weniger in der Bereitschaft der Menschen als in der Fähigkeit der Organisation, Veränderung verständlich und umsetzbar zu machen. Führung muss aus strategischem Druck eine klare Richtung entwickeln. Sie muss entscheiden, welche Ziele Vorrang haben, welche Prozesse angepasst werden und welche Rollen künftig welchen Beitrag leisten. Für RheinWest ist das eine zentrale Unternehmensfrage: Aus Expertise und Motivation entsteht noch keine Leistung. Erst wenn das Unternehmen sein Versprechen in klare Angebote, Verantwortlichkeiten, Entscheidungen und Prozesse übersetzt, wird daraus operative Wirksamkeit. Die wichtigste Aufgabe der Führung besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Veränderungen anzustoßen. Sie besteht darin, den Zusammenhang zwischen Veränderung und Wertschöpfung sichtbar zu machen. Mitarbeitende müssen verstehen, wofür sie ihre Energie einsetzen – und die Organisation muss ihnen ermöglichen, diese Energie in Ergebnisse zu verwandeln.
Quellen: PwC: Workforce Hopes and Fears Survey 2026 CEO Survey – Workforce Transformation in Deutschland 29. Global CEO Survey 2026
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